Schritt für Schritt einer von uns

erfasst/geändert am 13.03.2019
Gelebte Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt
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Soziale Verantwortung steht bei vielen Unternehmen in den Zielvereinbarungen fest verankert. Die Firma Ringler, Teil der Kärcher Group, aus Waldstetten geht einen Schritt weiter und beschäftigt einen Menschen mit Behinderung. Daniel Sutter ist gehörlos und kommuniziert durch Gebärdensprache. Dies führt nicht nur zu einer veränderten Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung, sondern auch zu einem inklusiveren Denken im Unternehmen.

Übernahme in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis
Dass Daniel Sutter einer Beschäftigung außerhalb einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) nachgehen kann, ist nicht selbstverständlich. Mehr als zehn Jahre war er in der PRODI-Werkstatt der Stiftung Haus Lindenhof beschäftigt, nun wurde er unbefristet und ohne Berufsausbildung in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen.

Zehnmonatiges Praktikum vorab
Geschäftsführer Günter Schwarzenbach erläutert, dass die bisherige Kooperation mit der PRODI-Werkstatt für das Unternehmen sehr zufriedenstellend war und man infolgedessen bereitstehe, einem Menschen mit Behinderung einen ganz normalen Arbeitsplatz anzubieten und offen zu sein, sich auf Neues einzulassen.
Um Daniel Sutter für seine Tätigkeiten zu qualifizieren, absolvierte er zunächst ein zehnmonatiges Praktikum im Bereich der mechanischen Fertigung. Zunächst zwei Tage in der Woche, dann wurde die Arbeitszeit in Absprache mit dem Jobcoach der WfbM schrittweise erhöht.

Teamarbeit als Weg zum Erfolg                        „Herr Sutter kann sich sehr schnell an neue Begebenheiten anpassen, er nimmt schnell auf und auch wir Kollegen lernen viel Neues durch ihn“, legt Gruppenleiter Christian Pfeifer dar. Es ist eine Lernphase auf beiden Seiten: „Wir zeigen ihm die Abläufe und stellen Grundlegendes ein, er macht die Arbeit daraufhin selbstständig“, fügt Pfeifer weiter an. Auch jetzt, nach der unbefristeten Übernahme in ein sozialpflichtiges Arbeitsverhältnis, sind Sutters Aufgaben vielfältig: schleifen, sägen, bohren, pressen – all das gehört mit zum Arbeitsalltag des Gehörlosen.

Neue Perspektiven im Arbeitsprozess
Barbara Haug vom Integrationsfachdienst (IFD) kümmert sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Leonie Krieg darum, Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln und ihre Arbeitsplätze zu sichern. In Zusammenarbeit mit Job-Coach Johannes Rodi von der Stiftung Haus Lindenhof gelang es, Daniel Sutter allmählich auf das Arbeitsverhältnis vorzubereiten: „Während des Praktikums wollten wir herausfinden, was Herr Sutter leisten kann, wo er Unterstützung braucht und wo auch mal etwas Druck nötig ist. Es war sein Ziel, nach vielen Jahren in der WfbM auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen zu können“, so Haug. Wichtig war es dem Geschäftsführer, alle Mitarbeitenden Schritt für Schritt mitzunehmen, sich auf Flexibilität einzulassen und daran zu glauben, dass Inklusion im Betrieb möglich ist, wenn von beiden Seiten Bereitschaft dazu gezeigt wird. Gruppenleiter Christian Pfeifer bestätigt dies: „Uns wurde bewusst, dass wir - für uns alltägliche Dinge - explizit aufzeigen müssen. Diese Lernschritte gehen wir als Team zusammen, denn Herr Sutter ist einer von uns“. Davon profitiert auch das Arbeitsklima, bemerkt Sutter: „Die Tätigkeit hier im Betrieb ist nicht mit der in der Werkstatt zu vergleichen, wir lernen hier viel voneinander. Da meine Kollegen keine Gebärdensprache können, versuche ich, vom Mund abzulesen und erkenne schon durch Körpersprache die Bedeutung von Gesagtem“.

Förderprogramm als Unterstützung                      Durch das Förderprogramm Arbeit inklusiv, ein Vorreiterprojekt in Baden-Württemberg, können sich Betriebe langfristig Nachteilsausgleichszahlungen sichern. Der IFD schätzt nach einer Arbeitsanalyse ein, wie viel verwertbare Arbeit ein Mensch mit Behinderung im Unternehmen leisten kann und wie viel Unterstützung er braucht. Auf dieser Basis bewilligen Integrationsamt, Agentur für Arbeit und Eingliederungshilfe ihre finanziellen Zuschüsse für den Arbeitgeber für zunächst fünf Jahre.
Für die Zukunft kann sich Daniel Sutter vorstellen, noch selbstbestimmter zu leben, das betreute Wohnen zu verlassen und selbstständig in einer eigenen Wohnung zu leben – die Perspektive hat er nun durch den unbefristeten Vertrag und ein entsprechendes Einkommen.





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