Menschen mit Behinderung haben eine hohe emotionale Kompetenz

erfasst/geändert am 11.07.2017
Drei Jahre lang hatte hat man sich in der Stiftung Haus Lindenhof intensiv mit dem Thema Krankheit, Leiden, Sterben und Tod, im Rahmen des Projekts „Vertraut und Geborgen“, auseinandergesetzt, den Abschluss bildete ein Fachtag...
Menschen mit Behinderung haben eine hohe emotionale Kompetenz

Menschen mit Behinderung haben eine hohe emotionale Kompetenz

Menschen mit Behinderung haben eine hohe emotionale Kompetenz

Menschen mit Behinderung haben eine hohe emotionale Kompetenz

Menschen mit Behinderung haben eine hohe emotionale Kompetenz

Menschen mit Behinderung haben eine hohe emotionale Kompetenz

Menschen mit Behinderung im Sterben zu begleiten, ist für Betreuende eine schwierige und sehr sensible Aufgabe. Auf dem letzten Stück Lebensweg gilt es, nicht nur den Bedürfnissen Sterbender Raum zu geben, sondern auch Mitbewohner, Angehörige und Freunde mit einzubeziehen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Orientierung geben, die Entwicklung einer Trauerkultur und die Einführung von Palliative Care waren Schwerpunkte des Projekts.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“
Am Ende der drei Jahre ludt das Projektteam zu einem Fachtag in das Gemeindezentrum Franziskaner in Schwäbisch Gmünd ein. In seiner Begrüßung ging Direktor Jürgen Kunze auf die Bedeutung des Projekts für die Stiftung ein, sein Dank galt den Projektverantwortlichen und der Veronika-Stiftung, die mit ihrer großzügigen Unterstützung dieses Projekt möglich gemacht hat. In seinem Grußwort sprach Robert Antretter, Vorsitzender der Veronika-Stiftung, seine Anerkennung für die geleistete Arbeit aus. Nach den Erfahrungen des Dritten Reiches sei der Paragraph Eins, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ unwiderruflich ins Grundgesetz aufgenommen worden. Zwar könne man diesen Paragraphen nicht abschaffen, aber aushöhlen, mahnte er. Heute würden wieder 90 Prozent der Ungeborenen mit Verdacht auf Trisomie 21 abgetrieben. Doch der Wunsch unserer Gesellschaft, Behinderung aus unserem Leben zu verbannen sei unrealistisch, denn nur vier Prozent der Menschen mit Behinderung würden mit einer Behinderung geboren.

„Vor Gott sind alle Menschen behindert“
Ein sterbender Mensch müsse Abschied nehmen, von allem was ihm lieb und wert ist, sagte Gemeindepfarrer und Dipl.-Soz.-Päd. Hans Heppenheimer (Diakonie Mariaberg e.V.) in seinem Referat. Auf der einen Seite stehe die Trauer der Sterbenden, auf der anderen Seite die der Zurückbleibenden. Trauer sei ein natürlicher Prozess vom Abschied zu einer neuen Lebendigkeit, sagte er. „Abschied und Trauer begleiten uns durchs ganz Leben“, darum sei es wichtig, Traueranlässe ernst zu nehmen. Der erste Abschied geschehe schon bei der Geburt, Sterben sei der letzte große Abschied. Trauer sei mit Tränen, Wut und Regression verbunden. Doch Wut sei „bei uns nicht hoffähig“. Entgegen früherer Annahmen seien Menschen mit Behinderung sehr wohl fähig zu trauern. „Sie sind emotional sehr stark“, betonte er. Diese hohe emotionale Kompetenz verdiene Respekt. „Vor Gott sind alle Menschen behindert, ganz gleich ob mit oder ohne Ausweis!“, mahnte er, denn den perfekten Menschen gäbe es nicht.

„Ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung erhalten“
Um die medizinischen und pflegerischen Aspekte in der Palliativversorgung, in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung, ging es im Beitrag von Dr. med. Heidrun Stumme von der Stauferklinik Schwäbisch Gmünd. Eine ganzheitliche Behandlung nach dem Palliativ-Konzept käme bei nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankungen mit begrenzter Lebenserwartung zum Einsatz. Sie stünde auf drei Säulen, die Symptomkontrolle für ein körperliches Wohlbefinden sowie die psychosozialen und die spirituellen Aspekte. Ein wichtiges Ziel sei Schmerzfreiheit, um ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung zu erhalten und zu fördern. Zur palliativen Versorgungsstruktur gehörten die Palliativstation an der Stauferklinik, die Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgung (SAPV), stationäre Hospize, sowie ambulante Hospizdienste Ziel der Spezialisierten Ambulanten Palliativ Versorgung (SAPV) an der Stauferklinik sei es Patienten zu ermöglichen in Würde zu Hause zu sterben. Statistiken sagten, dass sich 80 - 90 Prozent der Menschen dies wünschen, jedoch würden immer noch 70 Prozent aller Menschen in Einrichtungen sterben. Da wo das zu Hause nicht möglich sei, seien Hospize seit Mitte der 80er Jahre eine Alternative. In ambulanten Hospizdiensten seien ehrenamtliche Mitarbeiter/innen tätig. Sie würden eine unverzichtbare Arbeit bei der psychosozialen Begleitung leisten. Auch Dr. Stumme attestierte Menschen mit Behinderung eine sehr hohe emotionale Kompetenz. Eine gute Unterstützung in den Einrichtungen der Stiftung sei möglich, wenn sich die Mitarbeitenden kompetent und sicher fühlen. Kommunikation spiele eine ganz wichtige Rolle.

Praktische Impulse in fünf Workshops
Am Nachmittag konnten die Tagungsbesucher an zwei von fünf Workshops teilnehmen. Angeboten wurden ganz praktische Themen, wie Biografiearbeit, Ethische Fallarbeit, Pflege und Kommunikation in einer palliativen Situation. Darüber hinaus wurde der neue Praxisleitfaden zum Umgang mit Sterben, Tod und Trauer „Leben in Fülle“ der Stiftung Haus Lindenhof vorgestellt und Pfarrer Heppenheimer ließ seine Workshop-Teilnehmer erfahren, dass Märchen „uns einen anderen Blick auf das Lebensende schenken“.

Eine Dokumentation des Fachtages finden Sie im nachfolgenden PDF-Download:





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