Den Weg gemeinsam gehen

erfasst/geändert am 17.02.2020
Neue Gesprächsbegleiterinnen helfen bei der Vertreterdokumentation für Menschen mit Behinderung
Den Weg gemeinsam gehen

Ein Anrecht auf vorausschauende Planung, also festzulegen, was in einer gesundheitlichen Krise, im Notfall oder am Lebensende geschehen soll, hat laut Gesetz jeder – auch Menschen mit Behinderung (§ 132g SGB V). Den qualifizierten Gesprächsprozess der dieses ermöglicht, bieten in der Stiftung Haus Lindenhof nun zwei neue ausgebildete Gesprächsbegleiterinnen an: Heilerziehungspflegerin Nadine Kraus und Pflegedienstleiterin Edith Krause.


Nachdem beide Frauen eine Weiterbildung zur Palliativ Care Fachkraft erfolgreich abgeschlossen hatten, folgte eine weitere Fortbildung zur Gesprächsbegleiterin, zertifiziert durch die DIV-BVP (Deutschsprachige Interprofessionelle Vereinigung-Behandlung im Voraus planen). Der Grundgedanke leitet sich aus dem englischen Advanced Care Planning ab. Diese Fortbildung fand an der Christophorus Akademie in München-Großhadern statt, wo qualifizierte Ärzte und Juristen das Thema vermittelten.


Um Behandlungen im Voraus zu planen, wird ein mehrzeitiger kommunikativer Prozess geführt. „In den Beratungsgesprächen und der sogenannten Vertreterdokumentation stellen wir uns gemeinsam mit den Betroffenen und ihrer An- bzw. Zugehörigen der gedanklichen und emotionalen Auseinandersetzung mit möglichen Komplikationen, Verläufen, Prognosen sowie Veränderungen des gesundheitlichen Zustands und möglichen Notfallsituationen. Hierbei haben ethische Aspekte eine tragende Rolle“, erzählt Edith Krause. Dies soll laut den Expertinnen dazu dienen, besser vorbereitet zu sein, die Krankheitssituation leichter anzunehmen, ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu bewahren und damit Autonomie als auch Lebensqualität zu fördern. Nadine Kraus fügt dazu an: „Ziel der gesundheitlichen Vorsorgeplanung für die letzte Lebensphase ist es, möglichst selbstbestimmt Entscheidungen über Behandlungs-, Versorgungs-, und Pflegemaßnahmen, die den ermittelten Vorstellungen und Wünschen der Betroffenen entsprechen, zu ermöglichen und zu unterstützen.“
Der Austausch mit dem Betroffenen selbst, dem behandelnden Arzt, Zugehörigen, Mitarbeitern und allen Betroffenen soll einen rechtssicheren Umgang für alle die an der Versorgung des Betroffenen beteiligt sind, ermöglichen, so Gesprächsbegleiterin Nadine Kraus.


Sie stellt weiter dar, dass durch die Dokumentation keineswegs Willkür entstehe. Vielmehr habe man den Menschen mit Behinderung und seine Bedürfnisse im Blick – durch diesen Gesprächsprozess sollen die Angehörigen entlastet werden. „Viele Angehörige sind alt oder bereits verstorben; gesetzliche Vertreter kennen den Menschen mit Behinderung sowie seine Biographie teilweise nicht. Da unterstützen die im Voraus ermittelten Entscheidungen im Notfall sehr“, so Kraus weiter. Wichtig ist: Bei jeder Zustandsverschlechterung wird immer der gesetzliche Betreuer hinzugezogen, ist dieser nicht erreichbar greifen die in der Vertreterdokumentation getroffenen Entscheidungen.


Die Dokumentation wird in regelmäßigen Abständen erneuert und auch Sanitäter und Ärzte werden aktuell auf das Thema hin sensibilisiert und informiert.
„Es ist ein großer Erfolg für die Eingliederungshilfe und ein Schritt in Gemeinschaft und Sicherheit für alle Beteiligten, um gemeinsam auch diesen oft schwierigen Weg zu beschreiten“, so die beiden Gesprächsbegleiterinnen.

 

auf dem Bild: Edith Krause (li.) und Nadine Kraus



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